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Passgang beim Hund: Ursachen, Erkennen und was Besitzer jetzt tun sollten

Lukas Fuchs vor 6 Monaten Hunde 3 Min. Lesezeit

Der Passgang beim Hund ist auffällig und sorgt bei Haltern oft für Unsicherheit: Harmloser Bewegungsstil oder Hinweis auf Schmerzen oder neurologische Probleme? Dieser Artikel erklärt, wann Passgang normal ist, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Schritte Sie als Hundehalter sinnvoller‑/weise unternehmen sollten.

Was ist der Passgang?

Als Passgang bezeichnet man eine Gangart, bei der die Vorder‑ und Hintergliedmaßen derselben Körperseite fast gleichzeitig nach vorne geführt und aufgesetzt werden (z. B. vorne rechts + hinten rechts, dann vorne links + hinten links). Anders als der normale Trab bewegt sich der Hund dabei weniger diagonal und die Fortbewegung wirkt „seitlich verschoben“ oder schiebend.

Wann ist Passgang normal?

In manchen Fällen ist Passgang eine physiologische Variante und kein Grund zur Sorge. Typische Situationen sind:

  • Bestimmte Rassen oder Körperbauten: Hunde mit sehr breiter Brust oder kurzem Rücken zeigen häufiger Passgang (z. B. manche Treibhunde oder Herdenschläge).
  • geringe Geschwindigkeit: Im langsamen Tempo oder beim gemütlichen Schlendern kann Passgang kurzfristig auftreten.
  • individuelle Gangart: Manche Hunde haben einfach eine „eigenständige“ Gangmechanik, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.

Wichtig ist: Tritt Passgang nur gelegentlich und ohne andere Auffälligkeiten (Schmerz, Lahmheit, Müdigkeit) auf, kann er harmlos sein.

Wann ist der Passgang bedenklich?

Alarmzeichen sind, wenn der Passgang plötzlich auftritt oder zusammen mit weiteren Symptomen beobachtet wird. Mögliche Warnzeichen:

  • Schmerzäußerungen (Berührungsempfindlichkeit an Rücken oder Gelenken, Winseln)
  • Probleme beim Aufstehen, Hinlegen oder Treppensteigen
  • unsichere Koordination, Schwäche oder Stolpern
  • einseitige Veränderung (nur rechts oder links) oder progressive Verschlechterung
  • neurologische Ausfälle wie veränderte Reflexe, fehlende Propriozeption oder Inkontinenz

In solchen Fällen kann Passgang Hinweis auf orthopädische oder neurologische Erkrankungen sein, z. B. Bandscheibenvorfälle, lumbosakrale Instabilität, Hüft‑ oder Rückenprobleme, Nervenwurzelreizungen oder schmerzhafte Gelenksveränderungen.

Wie wird Passgang diagnostiziert?

Eine strukturierte Untersuchung hilft, harmlose Varianten von behandlungsbedürftigen Ursachen zu unterscheiden:

  • Anamnese: Wann wurde der Passgang erstmals bemerkt? Verschlechtert oder schwankend? Gibt es weitere Symptome?
  • Videoaufnahmen: Nehmen Sie ein kurzes Video (Seitenansicht, langsame und schnellere Gangarten) mit — sehr hilfreich für die Untersuchung.
  • Klinische Untersuchung: Orthopädische und neurologische Untersuchung beim Tierarzt oder Facharzt (inkl. Palpation, Reflexe, Propriozeption).
  • Bildgebung: Röntgenaufnahmen, Ultraschall, gegebenenfalls CT oder MRT bei Verdacht auf Bandscheibe/Wirbelsäule.
  • Spezialisten: Hundephysiotherapeut:innen, Chiropraktiker:innen oder Neurolog:innen können ergänzende Einschätzungen und Tests anbieten.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach der Ursache:

  • Konservative Therapie: Bei Muskel‑/Gelenkschmerzen: Schmerzmittel (nach Tierarzt‑Verordnung), gezielte Ruhephasen, entzündungshemmende Behandlung.
  • Physiotherapie & Trainingsaufbau: Kräftigungsübungen, Trabtraining, gezielte Gangschulung, Treadmill (Wassertreadmill bei Bedarf) und Propriozeptionsarbeit.
  • Chiropraktik / Osteopathie: Kann bei funktionellen Blockaden helfen, sollte aber mit tierärztlicher Abklärung kombiniert werden.
  • Operative Eingriffe: Bei klaren strukturellen Problemen (z. B. Bandscheibenoperation, Stabilisierung der Lendenwirbelsäule) kann eine OP nötig sein.

Praktische Tipps für Hundehalter

  • Dokumentieren: Machen Sie Videos aus verschiedenen Perspektiven (Seite, hinten, vorne) und bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
  • Suchen Sie Rat: Bei anhaltendem oder plötzlichem Passgang zum Tierarzt — notieren Sie zusätzliches Verhalten oder Auslöser.
  • Vermeiden Sie Überlastung: Kein intensives Springen oder Toben, bis die Ursache geklärt ist.
  • Gezieltes Training: Trabtraining kann helfen, die diagonale Gangmechanik zu fördern; lassen Sie sich ein Übungsprogramm von Physiotherapeuten zeigen.
  • Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet Gelenke und Rücken zusätzlich und kann Gangstörungen verstärken.

Vorbeugen und Züchter‑Verantwortung

Bei erblich bedingten Gelenkproblemen ist verantwortungsvolle Zucht wichtig. Aufzucht, frühe Muskelstärkung und angepasste Bewegung tragen dazu bei, dass sich die Muskulatur und Koordination physiologisch entwickeln.

Wann sollten Sie sofort zum Tierarzt?

Suchen Sie umgehend tierärztliche Hilfe bei:

  • plötzlich auftretender Lähmung oder starken Koordinationsstörungen
  • starken Schmerzen oder Unfähigkeit, aufzustehen
  • neurologischen Ausfällen (Inkontinenz, Taubheitsgefühle)

Weiterführende Links und Quellen

Mehr Informationen finden Sie unter anderem bei Tierphysiotherapie‑ und Fachseiten wie Doggy Fitness (doggy-fitness.de) oder spezialisierten Praxisseiten (z. B. Tierchiropraktik Osnabrück). Für konkrete Diagnosen und Therapiepläne wenden Sie sich bitte an Ihre:n Tierarzt/ärztin oder eine:n zertifizierte:n Hundephysiotherapeut:in.

Fazit

Passgang beim Hund kann harmlos oder ein Symptom für ein ernstes Problem sein. Entscheidend sind Beobachtung, Dokumentation und eine fachliche Abklärung, wenn der Gang plötzlich auftritt oder von Schmerzen und Schwäche begleitet wird. Mit gezielter Diagnose, physiotherapeutischem Training und gegebenenfalls medizinischer Behandlung lassen sich viele Ursachen erfolgreich behandeln.

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